Höhlenforschung in Westfalen

Die Speläogruppe Letmathe - Verein für Höhlenkunde in Westfalen e.V. wurde 1976 gegründet und hat ihren Sitz an der Dechenhöhle.
Dem Verein gehören circa 40-50 Mitglieder an und er ist als gemeinnützig anerkannt.
Die Speläogruppe Letmathe ist Mitglied im Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V.

Ziele

Primäres Ziel der Höhlenforschung ist die Erkundung, wissenschaftliche Erforschung und der Schutz von Höhlen und anderer Karstphänomene.
Um diese Ziele zu erreichen
- erkunden und dokumentieren wir Höhlen;
- setzen wir uns für den Erhalt von Höhlen und Karstlandschaften ein;
- arbeiten wir mit wissenschaftlichen Instituten, Vereinigungen und Naturschutzorganisationen des In- und Auslandes sowie anderen Vereinen zusammen;
- leisten wir Öffentlichkeitsarbeit (Publikationen, Tagungen, Ausstellungen, Pressearbeit);
- vertreten wir die Ziele der Höhlen- und Karstforschung gegenüber Behörden;
- führen wir Forschungsprojekte im In- und Ausland durch;
- bilden wir jugendliche Neumitglieder als Nachwuchs aus

Arbeitsgebiete und Ergebnisse

Die Arbeitsschwerpunkte der Speläogruppe Letmathe liegen im Grüner Tal bei Iserlohn, im Frettertal bei Finnentrop, im Biggetal bei Attendorn und auf der Briloner Hochfläche.

Im Grüner Tal zwischen Iserlohn und Letmathe wurden bisher Höhlen in einer Gesamtlänge von über 17 km erkundet und dokumentiert. Die spektakulärsten Entdeckungen gab es hier in der B7-Höhle (5500 m), im Hüttenbläser (4850 m) und im Bunker-Emst-Hölensystem (3500 m). Die bekannteste Höhle im Tal ist sicherlich die Dechenhöhle, die 1868 bei Bahnbauarbeiten entdeckt wurde und seitdem als Schauhöhle genutzt wird.

Die Speläogruppe Letmathe hat sich im südlichen Sauerland im gesamten Bereich der Attendorn-Elsper-Doppelmulde betätigt. Die Schwerpunkte liegen hier im Bereich des Frettertals bei Finnentrop und in der Attahöhle bei Attendorn. In der Attahöhle konnten hinter dem Schauhöhlenteil noch weitere fünf Kilometer entdeckt werden. Die Gesamtlänge beträgt zur Zeit 6,7 km. Die spektakulärste Entdeckung im Frettertal ist sicherlich die Frettermühler Wasserhöhle.

Die Briloner Karsthochfläche ist ein weiteres Arbeitsgebiet. Unter anderem konnte hier die Rösenbecker Höhle bis auf 1350 m erkundet und vermessen werden. Umfangreiche Untersuchungen, unter anderem zu den Speläothemen, gab es zur Ostenberghöhle in den Sparganophyllumkalken bei Meschede, die zusammen mit anderen Vereinen betreut wird. In Warstein untersuchen wir seit 1991 das Bilsteinhöhlen-System. Heute laufen verschiedene Projekte in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Brilon.

Desweiteren betreuen wir die Friedrichshöhle im Hönnetal und die Muttersteinhöhle bei Finnentrop.

Wissenschaftliche Auswertung

Die Speläogruppe Letmathe legt Wert auf eine ordentliche Dokumentation der erkundeten Höhlen. Sie ist die Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit mit Universitäten und Institutionen. Eine regelmässige Zusammenarbeit besteht mit dem Geologischen Institut der Ruhr-Universität Bochum. Zahlreiche Diplomarbeiten und Dissertationen wurden und werden von Mitgliedern der Speläogruppe Letmathe betreut.

Spezielle Untersuchungen gab es unter anderem zur Genese der Höhlen im Grüner Tal, zur Genese verschiedener Speleotheme, die Bearbeitung bedeutender paläontologischer Funde (Rentier, Nashorn) sowie die Bedeutung der Vereisungsperioden für Sinterzerstörungen. Es gab Untersuchungen zur geochemischen Rhythmik an quartären Speläothemen, Sinter- und Sedimentkartierungen in verschiedenen Höhlen sowie zahlreiche höhlenklimatologische Untersuchungen.

Bei biologischen Projekten besteht eine Zusammenarbeit mit dem biospeläologischen Referat des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher.

Höhlen- und Naturschutz

Die Speläogruppe Letmathe stellt den Höhlenschutz gleichwertig neben die Höhlenforschung.

Gefährdete Höhlen wurden sicher verschlossen, Reinigungsaktionen durchgeführt und die Öffentlichkeit durch Ausstellungen und Informationsblätter informiert. Gutachten und Stellungnahmen verhinderten beispielsweise die geplante Überbauung der letzten einigermaßen unberührten Karsthochfläche in Iserlohn, der Sonderhorst.

Dokumentation, Publikation, Öffentlichkeitsarbeit

Jede bearbeitete Höhle wird mit Plan, Fotos und evtl. Video dokumentiert. Die Ergebnisse wurden bis 1992 in unserer seit 1984 erscheinenden Zeitschrift "Mitteilungen und Berichte", seit 1993 im "Speläologischen Jahrbuch" sowie in anderen Fachzeitschriften veröffentlicht. 1995 haben wir mit dem Buch "Höhlen in Iserlohn" die wichtigsten Ergebnisse unserer Forschung im Iserlohner Gebiet zusammengefaßt. Ausstellungen im Museum Dechenhöhle und Diavorträge informieren die Öffentlichkeit über die neuesten Forschungsergebnisse. Sporadisch wird auch über Presse, Radio und Fernsehen informiert.

Internationale Kontakte, Veranstaltungen von Tagungen, Mitgliedschaften

Die Speläogruppe Letmathe legt großen Wert auf Kontakte und Zusammenarbeit mit Höhlenforschern und Organisationen im In- und Ausland. Regelmäßig nehmen Mitglieder an Fachkongressen und Tagungen teil.

Der Verein ist aktives Mitglied im Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher und einzelne Mitglieder waren und sind dort auch im Vorstand oder als Referenten engagiert. In Letmathe veranstalteten wir 1987, 1995, 2007 und 2018 die Jahrestagung des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher mit teilweise über 250 Teilnehmern aus zahlreichen europäischen Ländern; 1998 und 2000 waren wir an der Durchführung in Gerolstein und Oberstdorf beteiligt. 1989 organisierten wir ein ebenfalls international besuchtes "Symposium zur Geschichte der Höhlenforschung in Deutschland" an der Dechenhöhle. 1998 fand die jährliche Tagung der "Hugo-Obermeier-Gesellschaft" zur Erforschung des Eiszeitalters an der Dechenhöhle statt.

Ebenfalls an der Dechenhöhle organisieren wir seit 1984 die "Monatsversammlung der Rheinisch-Westfälischen Höhlen- und Karstforscher". Auch Arbeitskreise für Höhlenschutz und Höhlenrettung tagten hier mehrmals.